Was ich haben will und was ich befehle: der Unterschied zwischen „Antrag“ und „Auftrag“

Oskar - Fotolia.com
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 Die beiden Wörter sind sich so ähnlich, dass man sie leicht verwechselt: der Antrag (Pl. Anträge) und der Auftrag (Pl. Aufträge). Der Unterschied ist für das alltägliche Leben wichtig.

Der Antrag – eine offizielle Bitte

Der Antrag (Pl. Anträge) ist eine offizielle Bitte. Sie stellen einen Antrag entweder bei einem Amt oder einer staatlichen Institution oder in einer Hierarchie bei einem Vorgesetzten. Typisch für einen Antrag ist ein Formular, in dem Sie Ihre Bitte stellen.

Beispiele:

Claudia ist arbeitslos geworden. Sie stellt im Jobcenter einen Antrag auf Arbeitslosengeld.

Peter möchte in Urlaub fahren. Er stellt bei seinem Chef einen Antrag auf Urlaub.

Olga braucht ein neues Visum. Sie stellt in der Botschaft einen Antrag auf ein neues Visum.

In den Beispielen oben sehen Sie ein Verb, das zu Antrag passt: einen Antrag (Akkusativ) stellen. Ein anderes Verb ist beantragen. Das ist ein untrennbares Verb, Sie erkennen es an der Vorsilbe be-. (Wenn Sie Fragen zu untrennbaren Verben haben, lesen Sie hier den Post dazu. Die englische Version finden Sie hier.)

Hier sehen Sie eine Aufstellung der wichtigsten Ausdrücke zu der Antrag:

einen Antrag (Akk.) stellen auf (+ Akk.) = etwas (Akk.) beantragen: Er stellt einen Antrag auf Urlaub. Er beantragt Urlaub.

einen Antrag (Akk.) stellen  bei (+Dativ) = etwas (Akk.) bei (+ Dativ) beantragen: Er stellt bei seinem Chef ein Antrag auf Urlaub. Er beantragt bei seinem Chef Urlaub.

einen Antrag annehmen (Sie bekommen, was Sie beantragt haben.): Die Botschaft hat den Antrag auf ein Visum angenommen.

einen Antrag ablehnen (Sie bekommen nicht, was Sie beantragt haben.): Die Botschaft hat den Antrag auf ein Visum abgelehnt.

Annehmen und ablehnen sind trennbare Verben. (Wenn Sie Fragen zu trennbaren Verben haben, lesen Sie hier den Post dazu. Die englische Version finden Sie hier.)

Ein besonderer Antrag ist der Heiratsantrag:

Johann bittet Anna, ihn zu heiraten. Er macht ihr einen Antrag. (Machen dürfen Sie nur bei einem Heiratsantrag sagen!)

Der Auftrag – eine förmliche Bitte oder ein Befehl

Ein Auftrag ist eine förmliche Bitte an jemanden, etwas für Sie zu tun. Oft versprechen Sie gleichzeitig Geld zu bezahlen. Aufträge gibt es in der Wirtschaft oder in einer Hierarchie, zum Beispiel beim Militär.

Beispiele

Karin möchte ein Haus bauen. Sie gibt der Baufirma Meyer & Co den Auftrag, das Haus für sie zu bauen.

Die Tochter eines Millionärs ist verschwunden. Der Millionär gibt einem Detektiv den Auftrag, seine Tochter zu suchen.

Der Offizier gibt den Soldaten den Auftrag zu schießen.

Die Verben zu Auftrag sind beauftragen (+ Akk.), einen Auftrag geben (+ Dativ) und einen Auftrag erteilen (+ Dativ):

Karin beauftragt die Firma Meyer & Co, für sie ein Haus zu bauen. =

Karin gibt der Firma Meyer & Co den Auftrag, für sie ein Haus zu bauen. =

Karin erteilt der Firma Meyer & Co den Auftrag, für sie ein Haus zu bauen.

Reaktionen auf einen Auftrag sind annehmen und ablehnen:

Der Detektiv hat den Auftrag angenommen, die Tochter des Millionärs zu suchen.

Die Soldaten lehnen den Auftrag zu schießen ab.

Leider, leider …

Die Erfahrung zeigt, dass nicht alle Menschen gut arbeiten. Deshalb können Anträge und Aufträge verlorengehen (zusammengesetztes Verb, funktioniert wie ein trennbares Verb):

Ich habe vor zwei Monaten ein Visum beantragt. Aber jetzt höre ich, dass mein Antrag verlorengegangen ist. Ich muss den Antrag noch einmal stellen.

Ich habe einen Brief geschrieben und die Firma Meyer & Co beauftragt, für mich ein Haus zu bauen. Aber die Sekretärin sagt, der Auftrag ist nicht angekommen. Er ist verlorengegangen. Jetzt gebe ich den Auftrag einer anderen Firma.

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